Das ist auch schon passiert ,vor 46 Jahren in Bayreuth, als im "Thannhäuser" unter der Regie von Wieland Wagner Grace Bumbry als Venus, streng wie eine schwarze Madonna der Lüste, ihr Debut gab. Allerdings kam damals der Protest aus einer anderen Ecke, als brünftiger Aufschrei der Alt-Wagnerianer, schwarzbraun in Tradition - Entweihung der Heiligen Hallen! Wo bleibt die Bewahrung des Germanischen, wenn künftig hier jede minderwertige Rasse auftreten darf?
Die Kritik war 1961 nicht gerade begeistert von der Thannhäuser-Inszenierung, aber freundlich zu der "dunkelhäutigen Schönheit aus Missouri" die übrigens, erfolgreich und geehrt, gestern ihren 80. Geburtstag feiern konnte. Und der Rezensent im SPIEGEL hatte damals, ohne Anstoß zu erregen, die dramatische Stimme der "24jährigen Negerin" gelobt.

Zum Nachlesen:
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Als PDF (mit schwarz/weißem Szenenbild): http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/43365379

Und ich habe damals auch nichts bemerkt, weder das rassistische Klischee Sexsymbol noch die Negerin, und mich nur für die Sängerin gefreut, und natürlich darüber, dass sich die Alt-Wagnerianer richtig giften konnten. Und habe mich gefragt, ob Wieland Wagner, wenn er nicht früh verstorben wäre, sich auch noch getraut hätte, den Lohengrin, immerhin ein Exot aus einem "fernen Land", mit einem Neger zu besetzen.

Über ein Vierteljahrhundert später, in Vertretung eines Kollegen, beschloss ich, einen Beitrag aus der Sendung "Sonntagsbeilage" zu nehmen, in dem es um "Neger in Immenstadt" ging. Die so Genannten waren naiv, freundlich und taten nichts Böses, und ich hielt den Autor der Geschichte auch keineswegs für einen Rassisten und glaubte ihm, dass er das N-Wort nett und sogar ein bisserl satirisch gemeint habe. Ich war aber nicht sicher, ob die gescheiten und feinsinnigen Leute, die gerade Pippi Langstrumpfs Vater vom Negerkönig zum Südseekönig befördern?degradieren? wollten, und die sicher auch mal die Sonntagsbeilage hörten, das auch so verstehen würden.

Und, ich sags nur ungern, ich habe heute keine Lust auf weitere Sprachfühler-Exkurse. Ich will nur noch eine besonders skurrile Geschichte über eine dunkle Schönheit als Sex-Symbol anbringen:
ein Literaturwissenschaftler hat allen Ernstes mal behauptet, Shakespeares so ambivalent begehrte "Dark Lady" müsse eine Farbige gewesen sein, gemäß ihrer Beschreibung im Sonnett 130, "My mistress` eyes".
Der Gute hat nicht überrissen, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um ein satirisches Spiel Shakespeares mit dem damals in schlechten Gedichten gepriesenen Frauenbild handelt - Haut wie Schnee, Haare wie Golddraht, Lippen wie Korallen und so weiter.
Satire hat es noch nie leicht gehabt.